Fachanwalt für Verkehrsrecht
Rechtsanwalt

 

 

Fachanwalt für Arbeitsrecht

Nachgefragt am 01. Mai 2009 – nach knapp zwei Jahren der eigenen Kanzlei:

Welche erste Zwischenbetrachtung können Sie ziehen?
Seit Gründung meiner eigenen Kanzlei sind knapp zwei Jahre vergangen. Es bereitet große Freude, etwas Eigenes aufzubauen und seine eigenen Ideen umsetzen zu können. Diese unternehmerische Freiheit ist mir sehr wichtig. Allerdings ist es auch eine enorme Herausforderung, die viel Nerven und auch Zeit kostet, die mir manchmal in anderen Dingen fehlte, wofür ich meine Mandanten in dieser Gründungsphase um Nachsicht bitten muss.

An der Rechtsanwaltskammer in München sind im Augenblick über 18.500 Rechtsanwälte zugelassen. War die Gründung einer Kanzlei nicht ein sehr gewagter Schritt?
IIch haben diesen Schritt in den Jahren durch meine Mitarbeit in anderen Kanzleien und dem soliden Aufbau eines Mandantenstammes vorbereitet, doch ist nie sicher, wie sich eine Kanzlei entwickelt. Mandantenbezogene und ehrliche Anwaltsarbeit ist für mich die Grundlage meiner Tätigkeit, was sich bewährt, wie die Entwicklung zeigt. Sehr geholfen hat mir die Treue meiner Mandanten, deren Empfehlungen und auch die Hilfe meiner Kollegen, über die mich ein Netzwerk verbindet. Dieses allseits erlebte Vertrauen ehrt und freut zugleich.

Woran scheitern viele Neugründungen im Anwaltsmarkt?
Das ist schwer zu sagen. Es dürfte sich zwar herumgesprochen haben, dass die Chancen ohne Spezialisierung und klares Profil schlecht sind. Neben der Qualität der eigentlichen anwaltlichen Leistung ist es aus meiner Sicht zwingend, auf eine gute Lage und den Außenauftritt der Kanzlei zu achten. Um zu Beginn Geld zu sparen, wird dies oft vernachlässigt, was auf Grund der zurückhaltenden Kreditpolitik der Banken – insbesondere gegenüber Rechtsanwälten – leider oft alternativlos bleibt. Die Entwicklung meiner Kanzlei, losgelöst von diesen Behinderungen, beweist mir aber, dass ich die richtigen Schritte eingeleitet und den Weg konsequent fortzusetzen habe.

Wie akquirieren Sie Mandaten?
Die angesprochenen Weiterempfehlungen über Mund-zu-Mund-Propaganda sind sicher die beste Form der Werbung. Voraussetzung hierfür ist ein sehr sorgfältiges und ehrliches Arbeiten, die Umsetzung der Erfahrung aus den Jahren meiner Tätigkeit nebst konsequenter ständiger Fortbildung und nicht zuletzt die Zeit, mit der ich im persönlichen Kontakt mit meinen Mandanten stehe.

Glauben Sie, dass für Sie als Arbeitsrechtsfachanwalt und Verkehrsrechtsanwalt ein Fachanwaltstitel wichtig ist?
Mit Sicherheit. Zwar wird die Fachanwaltsausbildung als solches nie das Können eines erfahrenen Anwaltes vermitteln können, doch ist der Titel und eine langjährige Tätigkeit auf diesen Gebieten gerade der Nachweis für den Mandanten, dass tatsächlich eine Spezialisierung des Anwaltes vorliegt und umfassende Erfahrung auf diesem Gebieten vorhanden ist.

Ist auf dem heutigen Anwaltsmarkt ohne Spezialisierung die erfolgreiche Entwicklung einer Kanzlei möglich?
Die Anwaltschaft nimmt hier eine ähnliche Entwicklung wie die Ärzteschaft, wo es bereits im Bewusstsein der Bevölkerung ist, sich bei unterschiedlichen Beschwerden an unterschiedliche Fachärzte zu wenden. Die Spezialisierung gewährleistet eine gezieltes Angehen und Lösen der rechtlichen Probleme, insbesondere da auch die umfassenden Kenntnis der lokalen Rechtssprechung bekannt ist. Gerade Letzteres ist für die Beratung von ausschlaggebender Bedeutung. So ist beispielsweise im Arbeitsrecht bei den Abfindungsregelungen der Gerichte bereits zwischen der Rechtssprechung in München und Nürnberg zur Höhe der Abfindung zu unterscheiden und hiervon abweichend bestehen im außerbayerischen Raum, beispielsweise in Frankfurt a. M. wiederum andere Grundsätze, die sich herausgebildet haben. Diese muss man kennen.

Wie lange haben Sie an Businessplan und sonstigen Vorbereitungen gesessen?
Der Businessplan selbst ergab sich aus der bisherigen Tätigkeit, die Aufstellung und die sonstigen Vorbereitungen bedurften einige Wochen an Zeit. Parallel waren die laufenden Mandate zu bearbeiten. Nach der ersten Gründungsphase im Jahr 2007 wurden im Jahr 2008 die teils eingerichteten Provisorien überdacht und umgestaltet. Der letzte große Schritt mit einem erheblichen Zeitaufwand war schließlich die Überarbeitung und Planung des gesamten Außenauftritts und zuletzt die Gestaltung der Homepage mit samt den Texten im Jahr 2009.

Verfolgen Sie den Businessplan weiter?
Zugegebenermaßen, die Entwicklung der Kanzlei überholt im positiven Sinne den Businessplan, sodass eine Anpassung erfolgt. Nicht zuletzt die Entwicklungen in der zweiten Jahreshälfte 2008 veranlassten mich, die Organisation meiner Kanzlei neu zu strukturieren und Aufgaben zu delegieren, um mich auf meine anwaltliche Kernkompetenz zu konzentrieren. Wichtigster Gesichtspunkt hierbei sind die zuverlässigen Mitarbeiter meiner Kanzlei sowie mein geschätzter Kollege, mit dem ich fachübergreifend und vertrauensvoll in Bürogemeinschaft zusammenarbeite. Vor allem dann, wenn aufgrund der sehr erfreulichen Entwicklung die Zahlen über dem Soll liegen, neigt man dazu, dass Controlling zu vernachlässigen. Hieran werde ich als nächstes zu arbeiten haben.

Wie soll sich Ihre Kanzlei in den nächsten Jahren entwickeln?
Auf den Punkt gebracht: Fortsetzung der Entwicklung wie bisher, wobei stets die kritische Auseinandersetzung mit der Qualität der Mandatsbearbeitung umfassend im Mittelpunkt zu stehen hat, um die Ansprüche zu halten, die ich an mich als Anwalt stelle. Und sollte ich feststellen, dass ich mich von den eigenen Ansprüchen entfernt habe, so sind diese wieder herzustellen.

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Rechtsanwalt Clemens Pettinger
Inhaber der Kanzlei Pettinger

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